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Kreuzwege und mehr

Kreuzwege in Buxtehude

Die Kirchengemeinden in Buxtehude laden für die Zeit von Palmsonntag bis Karsamstag (28.03.–03.04.) zu besonderen Kreuzwegen ein. An verschiedenen Stationen in und um Buxtehude soll der Leidensweg Jesu für das eigene Leben neu bedacht werden. Die Stationen können frei gewählt werden.

Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation müssen folgende Bedingungen unbedingt eingehalten werden:

  • Der Kreuzweg darf nur allein bzw. von Menschen aus einem gemeinsamen Haushalt unternommen werden;
  • es dürfen keine Weggemeinschaften gebildet werden.
  • Bei einer Begegnung mit anderen Menschen ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten.

Die vorbereiteten Wege beginnen entweder vor dem Schaukasten der St.-Paulus-Kirchengemeinde oder vor dem Schaukasten der St.-Petri-Kirche auf dem St.-Petri-Platz.

Actionbounds

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Gemeinsam und doch jede/r für sich, kann dieses Jahr den ökumenischen Kreuzweg gehen. Dafür wurden sieben Actionbounds erstellt; für jede Woche einen. Sie führen dich an alte und neue Orte. Wer mag, kann aber auch auf dem Sofa liegenbleiben. Dabei kannst du Lieder hören, Fotos sehen, Texte lesen und ins Nachdenken über den eigenen Glauben kommen.

Mehr Informationen gibt es hier

Impulse aufs Smartphone

Eine dritte Möglichkeit ist, sich an Karfreitag im 10 Minuten-Takt Impulse für einen Kreuzweg auf das Smartphone schicken zu lassen. So kann man entweder den Kreuzweg zuhause in Gedanken "gehen" oder aber eine beliebige Wegstrecke dabei zurücklegen.

Für diese Impulse haben sich bereits viele Personen angemeldet. Wer außerdem mitmachen möchte, kann sich bis Donnerstag Abend hier anmelden:

https://anmeldung.e-msz.de/content/kreuzweg-impulse-handy-karfreitag-02042021-3942

WAS IST EIGENTLICH EIN „KREUZWEG”?

„Kreuzwege”, Stationen also, die die Leidensgeschichte Jesu erzählen, gibt es in Hülle und Fülle. In katholischen Kirchen, in Parks, an Wallfahrtsstätten, in Räumen und im Freien, gemalt, geschnitzt, gemeißelt, in Fotos, in Bildtafeln, als Skulpturen…
Mal mit 7 Stationen, mal mit 14. Mal mit den ganz klassischen Motiven, mal mit ganz anderen. Mal betet man sie als Gruppe, mal alleine, mal nach Textvorgaben, mal eher betrachtend.

Kleiner Exkurs in die Geschichte der Kreuzwege
Am Anfang steht immer die Sehnsucht – sagt die bekannte Dichterin Rose Ausländer. Bei den Kreuzwegen ist es die Sehnsucht danach, dem Leidensweg Jesu auf besondere Weise nahe zu kommen.

Deshalb entstand im 12./13. Jh. – es ist die Zeit der Kreuzzüge – in Jerusalem ein Stationenweg vor den Wallfahrtskirchen: die Via Dolorosa.
Dabei griff man auf alte Spuren zurück – von Pilgern, die sich schon im Altertum immer wieder auf den Weg machten, um betend und singend die Orte des Leidens und Sterbens ihres/unseres Herrn nachzugehen.

Dahinter stand das Bestreben, die Ereignisse um das Leiden und Sterben Christi möglichst plastisch vor Augen zu haben.
Das lag in der Luft: Die Christianisierung war abgeschlossen (9. Jh.), eine Schaufrömmigkeit wächst; das sind die Jahre, in denen Franziskus die Krippe erfindet, Mysterienspiele entstehen (aus ihnen wächst der Karneval!) in denen sich das Fest Fronleichnam entwickelt, ein Reliquienkult wächst, die Schreine immer üppiger werden, Wallfahrten aufkommen.

In seinen Anfängen bot der Jerusalemer Kreuzweg auf historischem Boden eigentlich nur zwei Stationen – als Startpunkt die Verurteilung beim Haus des Pilatus und den Endpunkt an der Stätte der Kreuzigung und Grablegung in der Grabeskirche.
Aber nach und nach entstanden weitere Stationen, wurde der Weg ausgeschmückt:
teilweise wurde hier die biblische Überlieferung „lokalisiert”:

  • Verurteilung,
  • Geißelung,
  • Simon von Cyrene,
  • Kreuzigung,


teils wurden Legenden und fromme Geschichten eingewoben (entnommen: Flavius Josefus, Tacitus, apokryphe Ev.: Proteevangelium des Jakobus, Thomasev…):

  • das dreifache Zusammenbrechen Jesu
  • die Gestalt der Veronika,
  • die Begegnung mit den weinenden Frauen,
  • die Annagelung ans Kreuz,
  • Jesu Leichnam im Schoß seiner Mutter.


Aus dem Heiligen Land zurückgekehrte Pilger legten zuhause Nachbildungen der Heiligen Stätten in ihrer Heimat an – zur Erbauung derer, die nicht nach Jerusalem kamen, und sich geistig auf den Leidensweg Jesu Christi begeben wollten:
- Oftmals übertrugen sie exakt die Länge der Via Dolorosa auf ihren heimischen Kreuzweg - gleichsam als Imitation,

  • legten eine Strecke an, die einen Berg hinaufführt (Schädelhöhe),
  • lokalisierten als Ziel nicht selten einen Kalvarienberg, krönten ihn mit einer Grabeskirche oder Kreuzigungs-Darstellung.


Obwohl Pilgerfahrten nach Jerusalem auch im ostkirchlichen Bereich beliebt waren, ist der Kreuzweg eine rein westliche Andachtsform geblieben.
In der unierten Ukrainischen Kirche, die papsttreu ist, aber die griechische Liturgieform verwendet, kam es in den letzten Jahren zu Abspaltungen, als die Aufgabe der Kreuzwegsandachten und anderer importierter lateinischer Traditionen zur Diskussion stand.